Bericht Ausgrabungen am Burgbichl

Forschungen auf dem Burgbichl in Irschen

Im Sommer 2016 wurden auf dem Burgbichl in der Gemeinde Irschen erstmals archäologische Untersuchungen durchgeführt. Die Ausgrabungen wurden im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Instituts für Archäologien/Fachbereich Archäologie der Römischen Provinzen unter der Leitung von assoz. Prof. Dr. Gerald Grabherr durchgeführt und von der Universität, dem Bundesdenkmalamt sowie der Gemeinde Irschen finanziell unterstützt.

Anlass dieser Ausgrabung waren Begehungen des Hügels im Vorfeld, wobei Mauern unter dem aktuellen Bewuchs sichtbar waren.

Die Ausgrabungen wurden nach jahrelangem Forschen und Bemühen unseres Mitbürgers Ing. Dietmar Simoner initiiert.

Eine primäre Forschungsfrage stellte die chronologische Einordnung der Fundstelle dar und es sollte zudem der Erhaltungszustand möglicher Gebäude beurteilt werden.

Auf der Kuppe erstreckt sich ein trapezförmiges Areal von einem knappen Hektar, das als Siedlungsplatz zur Verfügung steht. Es wurde an drei Stellen des nördlichen Abhanges Grabungsflächen angelegt, die eindeutige Zeugnisse einer spätantiken Höhensiedlung lieferten. Im Norden verläuft eine bis zu 1,5 m breite Mauer, die die Siedlung umfasst und verteidigen konnte (Abb. 1). Sie ist noch in der  Höhe von circa 1,4 m erhalten und sitzt auf einem massiven Schotterpaket auf, in dem eine Bronzemünze des Kaisers Gallienus (265/266 n. Chr.) gefunden wurde.

Die zweite Sondage südwestlich der Umfassungsmauer brachte eine verziegelte Lehmplatte in fast quadratischer Form (Abb. 2) hervor, die gemeinsam mit dem der Fund mehrerer Schlacken an dieser Stelle für einen Werkplatz für die Metallverarbeitung sprechen.

Das größte Untersuchungsareal befindet sich auf der höchsten Stelle des Burgbichls, wo sich ein Plateau von ca. 13 m mal 11 m erstreckt. Es wurden hier durch die Ausgrabungen mehrere Abschnitte einer frühchristlichen Kirche, die von Westen nach Osten orientiert ist, aufgedeckt (Abb. 3). Der aktuelle Untersuchungsstand der Mauern lässt eine Rekonstruktion der Kirche zumindest im östlichen Abschnitt zu. Zunächst dürfte im Osten des zentralen langrechteckigen Hauptraumes, dessen Abschluss im Westen nicht angeschnitten wurde, sich aber im Gelände abzeichnet, nördlich und südlich kleine, annähernd quadratische Räume angesetzt gewesen sein, die mit dem Langraum einen kreuzförmigen Grundriss ergeben. In einer zweiten Phase wurde zumindest im Norden ein schmaler zusätzlicher Raum angebaut, von einem entsprechenden Anbau im Süden ist ebenfalls auszugehen. In diesem Raum führt eine Treppe nach Osten, deren untere Stufe durch einen bearbeiteten Marmorstein gebildet wird, der hier als Spolie in Wiederverwendung stand. An den sichtbaren Seiten sind weder eine Inschrift noch ein Relief vorhanden. Die Kirche wird im Osten durch eine Apsis abgeschlossen, an die im Norden ein weiterer Raum anschließt, dessen Ostmauer an die Apsismauer angesetzt ist ohne einzubinden. Die Kirche ist 11,5 m breit und ihre Länge kann mit ca. 18,5 m erschlossen werden.

Ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. ändern sich die politischen Verhältnisse im römischen Reich und auch  die Provinz Noricum wird vermehrt von germanischen Stämmen angegriffen. Ab diesem Zeitpunkt zogen sich Teile der Bevölkerung von der Ebene zurück auf geschützte, strategisch günstig gelegene Anhöhen, die teilweise mit mächtigen Umfassungsmauern mit Türmen befestigt wurden. Zentrum vieler dieser Siedlungen war eine oder vielfach auch zwei frühchristliche Kirchen, die von Westen nach Osten orientiert sind. Diese Kirchen weisen bauliche Charakteristika auf wie die Apsis im Osten, eine halbrunde Priesterbank, Vorhallen, Taufbecken, etc. Häufig werden ältere Steine als Baumaterial eingesetzt.

Mit den ersten archäologischen Untersuchungen auf dem Burgbichl in Irschen lässt sich nun eine bislang noch nicht bekannte Höhensiedlung der Spätantike im westlichen Noricum greifen, die viel Potenzial für weitere Forschungsfragen bietet.

Assoz.-Prof. Mag. Dr. Gerald Grabherr
Universität Innsbruck