Nachbericht 100 Jahre Hugo-Gerbers-Hütte

Bergmesse Hugo-Gerbers-Huette
Samstag, 28. August 2010. Hoch über dem Kärntner Drautal thront sie, präsentiert sich in strahlendem Sonnenschein, während tief unten der Nebel die Sicht einschränkt. Nebel durch den sich die Gratulanten den Weg zum Geburtstagskind bahnen, zwei bis drei Stunden lang.

Gruppe für Gruppe treffen sie ein, bis sich die stattliche Anzahl von fast 100 Personen eingefunden hat. Bürgermeister und Vizebürgermeister von Irschen Gottfried Mandler und Hans Ackerer sind unter den vielen Gästen aus dem Drau- und dem Mölltal.

Auch aus Wien, der Heimatstadt der Sektion ÖGV des Alpenvereins sind Besucher angereist, haben ihren Aufenthalt mit einer Bergtour in der herrlichen Kreuzeckgruppe verbunden. Zuguterletzt darf Hüttenwart Gerhard Nesvadba, der mit seinem Team von Freiwilligen seit 21 Jahren die Hütte betreut, Pfarrer Josef Granig begrüßen, auch er hat den langen Anstieg nicht gescheut. Das Alkoholverbot vor der Bergmesse wird nach Maßgabe der Möglichkeiten eingehalten, es gibt ja auch Villacher Kracherl und Almdudler (seit einiger Zeit Partner des Alpenvereins).

Die sehr stimmungsvolle Feier wird von der Sängerrunde Irschen in perfekter Manier musikalisch unterstützt, ihre mit Hingabe vorgetragenen Lieder hallen von den nahen Felswänden wider. Als Gulasch, Würstel und Kärntner Reindling gereicht werden, kommt auch das vorsorglich aufgestellte Festzelt zum Einsatz, denn es regnet plötzlich in Strömen, was aber der Heiterkeit und der Feierfreude keinen Abbruch tut. Erst als der einsetzende Sturm dem Zelt seine Grenzen aufzeigt, verlagert sich alle Aktiivität ins Innere der zum Bersten gefüllten Hütte.

Geschützt vor den Wetterunbillen erinnern die Geschäftsführerin des ÖGV Dr. Angelika Meirhofer und Hüttenwart Gerhard Nesvadba an die Errungenschaften der Hüttenerbauer, die ihr Werk 1910 nach einem der Gründer des Gebirgsvereins Hugo-Gerbers-Hütte benennen, an den Schneewittchenschlaf nach den Kriegswirren wo die Hütte als Schafsstall herhalten musste, an den Wiederaufbau durch Philip Talantire aus Großbritannien und an den Idealismus der heutigen Bewirtschafter, die oft ihren ganzen Urlaub sommers auf der Hütte verbringen.

Es wird gegessen, getrunken, gesungen und geplaudert, versprochen demnächst wieder zu kommen. Hüttenerlebnisse werden zum Besten gegeben, neue Pläne geschmiedet. Die letzten Gäste verlassen erst nach mehrmaligen Anläufen um 19 Uhr den Ort der Geschehnisse, die Sonne hat in der Zwischenzeit die Regenwolken wieder vertrieben, und kommen hoffentlich unbeschadet und gesund im Tal an.

Nun kehrt auf 2347 m wieder Ruhe ein und der nahende Herbst lässt mit kräftigem Wind und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt erstmals seine Muskel spielen. Wie er es Jahr für Jahr wieder tun wird, weitere 100 Jahre lang.  

Robert Vondracek
Hüttenreferent des Österreichischen Gebirgsvereins